Inhaltsverzeichnis

  1. GKV-Mitgliedschaft: Was passiert beim Wegzug?
  2. PKV: Anwartschaft oder Kündigung?
  3. Internationale Krankenversicherung: Der Goldstandard
  4. Lokale Gesundheitssysteme im Vergleich
  5. Kostenvergleich nach Alter und Zielland
  6. Häufige Fragen

Die Krankenversicherung beim Auswandern gehört zu den Themen, bei denen Fehler direkt ins Geld gehen – oder schlimmer: Ihre Gesundheit gefährden können. Denn mit der Abmeldung aus Deutschland endet in der Regel auch Ihr Schutz in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer nicht rechtzeitig vorsorgt, steht plötzlich ohne jede Absicherung da.

Dieser Leitfaden klärt alle Optionen: von der GKV-Abmeldung über die PKV-Anwartschaft bis zur internationalen Krankenversicherung. Mit konkreten Kostenbeispielen und einem Vergleich der lokalen Gesundheitssysteme in den beliebtesten Auswanderungsländern.

GKV: Mitgliedschaft endet mit der Abmeldung

Gesetzlich Versicherte verlieren ihren Versicherungsschutz grundsätzlich mit der Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland. Es gibt eine wichtige Ausnahme: Wer als Arbeitnehmer in ein EU/EWR-Land umzieht und dort sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, fällt in das dortige Sozialversicherungssystem. Rentner in der KVdR (Krankenversicherung der Rentner) können mit dem Formular S1 das Gesundheitssystem ihres neuen EU-Wohnsitzlandes nutzen, wobei die Kosten von der deutschen Krankenkasse getragen werden. Informieren Sie Ihre Krankenkasse mindestens 4 Wochen vor der Abmeldung und legen Sie einen Nachweis über Ihre neue Krankenversicherung beim Auswandern vor.

PKV: Die Anwartschaftsoption nutzen

Privat Versicherte haben beim Thema Krankenversicherung beim Auswandern eine wertvolle Option: die Anwartschaftsversicherung. Mit einer kleinen Anwartschaft (ca. 30–80 Euro monatlich) ruht Ihr PKV-Vertrag, aber Ihre Altersrückstellungen und Ihr Gesundheitsstatus bleiben erhalten. Bei Rückkehr nach Deutschland können Sie ohne erneute Gesundheitsprüfung zu den alten Konditionen wieder einsteigen. Die große Anwartschaft (ca. 100–250 Euro monatlich) erhält zusätzlich den Leistungsumfang. Gerade für jüngere Auswanderer mit guter Gesundheit ist die Anwartschaft eine kluge Absicherung für den Fall einer Rückkehr.

Internationale Krankenversicherung: Anbieter und Kosten

Für die meisten Auswanderer ist eine internationale Krankenversicherung die optimale Lösung für die Krankenversicherung beim Auswandern. Die führenden Anbieter im Überblick:

AnbieterMonatsbeitrag (35 J.)Monatsbeitrag (55 J.)DeckungBesonderheit
Cigna Global200–400 €450–800 €WeltweitModulares System
Allianz Care180–350 €400–700 €WeltweitDeutsche Muttergesellschaft
BUPA International250–450 €500–900 €WeltweitGlobales Netzwerk
Foyer Global Health150–300 €350–600 €WeltweitGutes Preis-Leistung
PassportCard120–250 €300–500 €WeltweitDirekte Kostenübernahme
ℹ️ Worauf Sie achten müssen

Prüfen Sie bei jeder internationalen Krankenversicherung: Ist Ihr Zielland eingeschlossen? Gibt es Wartezeiten für bestimmte Leistungen? Sind Vorerkrankungen gedeckt oder ausgeschlossen? Wie funktioniert die Abrechnung (Vorleistung und Erstattung oder Direktabrechnung)? Ist eine Evakuierung/Rücktransport eingeschlossen? Was passiert, wenn Sie das Land wechseln?

Lokale Gesundheitssysteme in beliebten Zielländern

In Zypern gibt es seit 2019 das General Healthcare System (GeSY), das allen Einwohnern Zugang zu öffentlicher Gesundheitsversorgung bietet. Die Beiträge betragen 2,65 Prozent des Einkommens für Angestellte, 4 Prozent für Selbständige. Die Qualität ist gut, Wartezeiten bei Fachärzten können aber auftreten. In Spanien ist das Sistema Nacional de Salud für alle Einwohner mit Sozialversicherungsbeiträgen zugänglich und bietet eine exzellente Grundversorgung. In Thailand gibt es kein öffentliches System für Ausländer – eine private Krankenversicherung ist zwingend notwendig. Dafür sind die Behandlungskosten deutlich niedriger als in Europa: Ein Arztbesuch kostet 20 bis 50 Euro, ein Krankenhausaufenthalt ab 100 Euro pro Tag in einem guten Privatkrankenhaus.

Versicherungslücke vermeiden: Die Übergangsphase

Zwischen dem Ende Ihrer deutschen Versicherung und dem Beginn der neuen Absicherung darf keine Lücke entstehen. Schließen Sie Ihre internationale Krankenversicherung beim Auswandern so ab, dass sie nahtlos am Tag nach Ende der deutschen Versicherung beginnt. Manche Anbieter bieten einen Vorlauf-Schutz: Sie können die Versicherung bereits in Deutschland abschließen und ab einem bestimmten Datum aktivieren. Tipp: Schließen Sie die Versicherung idealerweise 2 bis 3 Monate vor dem Umzug ab – so haben Sie ausreichend Zeit für die Gesundheitsprüfung und können eventuelle Ausschlüsse vorab klären. Für die Übergangsphase gibt es auch kurzfristige Reisekrankenversicherungen, die als Brücke dienen können.

Häufige Fragen zur Krankenversicherung beim Auswandern

Nein, mit der Aufgabe des Wohnsitzes in Deutschland endet die GKV-Mitgliedschaft. Ausnahme: Entsendung durch einen deutschen Arbeitgeber (zeitlich begrenzt) oder Rentner in der KVdR mit EU-Wohnsitz (Formular S1).

Für eine vierköpfige Familie (2 Erwachsene, 30er/40er, 2 Kinder) liegen die Kosten bei 600 bis 1.500 Euro monatlich, je nach Anbieter und gewünschtem Leistungsumfang. Kinder sind oft günstiger versicherbar als Erwachsene.

Die meisten internationalen Versicherer führen eine Gesundheitsprüfung durch. Bestehende Vorerkrankungen können ausgeschlossen, mit einem Aufpreis versichert oder – bei leichteren Fällen – ohne Einschränkung übernommen werden. Je jünger und gesünder Sie beim Abschluss sind, desto besser die Konditionen.

Zahnversicherung: Das vergessene Thema

Zahnbehandlungen werden von vielen internationalen Krankenversicherungen nur als Zusatzbaustein angeboten – und dieser kann teuer sein. In Ländern wie den USA oder der Schweiz können selbst einfache Zahnbehandlungen mehrere tausend Euro kosten. Unsere Empfehlung zur Krankenversicherung beim Auswandern: Lassen Sie alle anstehenden Zahnbehandlungen vor dem Umzug in Deutschland durchführen. Schließen Sie einen Zahnzusatzmodul in Ihrer internationalen Versicherung ab, wenn das Zielland hohe Zahnbehandlungskosten hat. Prüfen Sie alternativ, ob eine Reise nach Deutschland für größere Behandlungen günstiger wäre.

Notfallvorsorge im Ausland

Notieren Sie die Notrufnummern Ihres Ziellandes (die europäische 112 gilt in allen EU-Ländern). Tragen Sie immer eine Kopie Ihres Versicherungsausweises bei sich – physisch und digital. Speichern Sie die Notfall-Hotline Ihrer Versicherung in Ihrem Handy. Informieren Sie Ihre Reisebegleitung über Allergien, Vorerkrankungen und Medikamente. Erstellen Sie ein mehrsprachiges Dokument mit Ihren medizinischen Daten. Bei der Krankenversicherung beim Auswandern geht es nicht nur um die Police – sondern um die Fähigkeit, im Ernstfall schnell und richtig zu handeln. Eine gut vorbereitete Notfallmappe kann im schlimmsten Fall Leben retten.

Abschließend sei betont: Die Krankenversicherung beim Auswandern ist keine Stelle zum Sparen. Die Kosten einer guten internationalen Versicherung erscheinen hoch, stehen aber in keinem Verhältnis zu den Kosten einer unversicherten Behandlung im Ausland. Ein einziger Krankenhausaufenthalt kann ohne Versicherung schnell fünfstellig werden. Investieren Sie in eine solide Absicherung – Ihre Gesundheit ist Ihr wertvollstes Gut.

Zusammenfassend gilt für die Krankenversicherung beim Auswandern: Beginnen Sie frühzeitig mit der Recherche und dem Vergleich internationaler Anbieter. Schließen Sie die neue Versicherung nahtlos an das Ende Ihrer deutschen Versicherung an. Prüfen Sie bei der PKV die Anwartschaftsoption. Lassen Sie anstehende Behandlungen noch in Deutschland durchführen. Und investieren Sie in eine gute Absicherung – Ihre Gesundheit ist unbezahlbar, und die Kosten einer unversicherten Behandlung im Ausland können existenzbedrohend sein.

Die richtige Krankenversicherung beim Auswandern zu finden erfordert Sorgfalt, zahlt sich aber langfristig aus. Beginnen Sie die Recherche mindestens 3 Monate vor dem Umzug und vergleichen Sie mindestens 3 Anbieter anhand Ihrer individuellen Bedürfnisse.